Ausblick 2026 – mit Andreas Kapp

„2026 wird auf jeden Fall ein spannendes Jahr werden. Deshalb wird es sich wohl kaum vom Auf und Ab sowie von den Herausforderungen der letzten Jahre unterscheiden“, schätzt unser Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Kapp.

die weitere Entwicklung, gesamtwirtschaftlich, spezifisch unsere Branche und unseren Verbund betreffend, ein. Für 2025 erwartet er ein Null-zu-Null-Ergebnis: „Die Grundumsätze in der Gastronomie sind eigentlich stabil geblieben, wobei die Mengen rückläufig sind, weil eben auch immer mehr Betriebe aufgeben oder es Nachfolge- bzw. Übernahmeprobleme gibt“.
Ein Hoffnungsschimmer
Ein Hoffnungsschimmer stellt für ihn die anvisierte Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent für Speisen in der Gastronomie dar, die ab 1. Januar 2026 gelten soll. Dies wurde im September dieses Jahres vom Bundeskabinett beschlossen. Am 4. Dezember wurde nun das entsprechende Steueränderungsgesetz vom Bundestag mit der Mehrheit von CDU/CSU und SPD durchgewunken. Allerdings steht noch das Plazet des Bundesrates aus; die Abstimmung dazu soll am 19. Dezember stattfinden. Einige Bundesländer stellen sich bezüglich der Steuererleichterungen aber bisher noch quer, da sie erhebliche Steuerausfälle erwarten.
„Das wäre schon ein wichtiger Gewinn-Booster für die Gastronomie. Immerhin: plus 12 Prozent. Die Gastronomen, mit denen ich gesprochen habe, erhoffen sich dadurch die steigenden Kosten ausgleichen zu können. Es gibt also etwas Licht im Tunnel, das auch für uns als Zulieferer positive Effekte auslösen müsste. Kommt die Umsetzung des Gesetzes doch nicht, wird sich der negative Trend aus 2025 wahrscheinlich fortsetzen. Wenn es kommt, gehe ich davon aus, dass sich das Geschäft stabilisiert und gleichmäßig weiterläuft“, erklärt Kapp.
„Nervosität ist kein guter Ratgeber“ – Unternehmerische Freiräume sowie der Stabilitäts- und Schutzfaktor der TIFA
Es sei keine Frage, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen am Standort Deutschland weiterhin kritisch zu sehen seien: „Die Staatsquote und die Belastungen sind zu hoch. Die Reformen sind eher Reförmchen. Der Mittelstand steht unter erheblichem Druck. Der öffentliche Sektor boomt, die Industrie und das verarbeitende Gewerbe darben. Fakt ist, dass wir diese Situation und die politischen Entscheidungen nicht direkt beeinflussen können. Resignation und Nervosität sind allerdings keine gute Ratgeber. Wir müssen uns auf uns konzentrieren, auf unsere Möglichkeiten und unsere unternehmerischen Freiräume. Positiv ist und bleibt, dass wir uns auf unseren Verbund verlassen können als wichtige Stabilitäts- und Entwicklungssäule. Die TIFA hat eine starke Marktposition, ist solide aufgestellt und bietet zahlreiche Vorteile wie Mehrwerte. Dies merkt man ständig, wenn es um die alltäglichen Aufgaben, um die Lösungen, den Stand und die Weiterentwicklung in unseren Unternehmen geht.“
Trotz dieser Belastungen blickt Kapp genügend entspannt in die Zukunft, gerade auch wegen der Existenz und der Schutzfunktion der TIFA. Er habe für sein Unternehmen zudem immer einen 5-Jahresplan vor Augen: „Ich überlege mir stets, wie wird der Status in 5 Jahren, also konkret im Jahr 2030 sein? Dabei denke ich auch eher konservativ und vorsichtig, aber trotzdem vorausplanend und energisch. Mit Antworten etwa zu Fragen wie: Wie kann ich auch zu diesem Zeitpunkt noch ein guter Arbeitgeber sein? Wie kann ich auch dann noch meine Ware an den Mann bringen, wie mein Sortiment optimieren? Es geht um realistische Einschätzungen, nicht um Hirngespinste. Unser Vorteil als Familienunternehmer ist, dass wir selbst entscheiden können, dass wir darin – trotz aller Einschränkungen und Belastungen – frei sind. Diese Freiheit ermöglicht unsere Flexibilität“.
Zudem auch: Zu diesen Fragen biete, so Kapp, unser Verbund einen breiten Antwortkatalog, den intensiven, kollegialen Dialog und zahlreiche Hilfestellungen, wie sie etwa im TIFA-Programm „Fit for Generation Next“ mit zahlreichen Unterstützungen geboten werde: „Ohne dies wären die Lösungen und Optionen für uns nur partiell und bruchstückhaft. Jeder kann und muss sich fragen, wo würde ich und mein Unternehmen stehen – ohne diese Gemeinschaft? Dies gilt gerade für den Einkauf, der immer schwieriger wird, für die Lieferantenverhältnisse, die Liefersicherheit und vieles andere. Und sowieso: Die TIFA ist auch eine perfekte Coaching-Zone, in der wir uns austauschen, Erfahrungen teilen und gegenseitig helfen. Wer leistet dies für uns sonst noch?“.
„Wir müssen uns noch stärker einbringen und einbinden“
„Unsere Stärke ist die Regionalität. Wichtig ist deshalb, dass wir unsere Position als Mittelständler und Familienunternehmer auch in die lokal-regionalen Debatten einbringen. Wir müssen darauf hinweisen, dass die Bürokratie uns abwürgt und unsere Entwicklungschancen hemmt. Etwa angesichts der oft genug irrsinnigen Verkehrspolitik, mit deren Auflagen unsere Logistik und unsere Fahrdienste erheblich belastet werden. Das ist eher eine Verkehrsbehinderungspolitik, die provoziert, dass wir manchmal kaum mehr an unsere Kundengeschäfte herankommen. Wir müssen uns intensiv einbringen und einbinden. Nach außen, öffentlich, aber gerade auch mit ganzem Einsatz nach innen – in und für unsere Genossenschaft. Die Kraft optimal einsetzen, die Kräfte bündeln – dies bleibt mein Kompass: für mein Unternehmen und für die TIFA – auch für 2026“, betont er.
Dezember 2025