„Gemeinsam stärker“ – Philipp Beyer im Gespräch

Was reizt Sie besonders an Ihrer neuen Position als Geschäftsführer bei der BÄKO Oberpfalz eG?
Der Reiz liegt darin, als Großhandelsversorger jeden Tag über 12.000 Artikel an über 800 Kunden in der ganzen Oberpfalz und Teilen Oberfrankens auszuliefern.

Wie viele Mitglieder hat Ihre Genossenschaft? Wie sieht die Mitgliederstruktur Ihrer Genossenschaft generell aus?
Die BÄKO Oberpfalz eG hat aktuell insgesamt 170 Mitglieder, die sich aus Bäckern und Konditoren zusammensetzt. Wir beschäftigen zurzeit 70 Mitarbeiter und 4 Auszubildende an zwei Standorten in Weiden. Am zweiten Standort ist die Abteilung EISKO angesiedelt, die die komplette Kühl- und Gefrierlogistik betreibt und neben der Frischdienstversorgung für die Bäcker auch die Gastronomie versorgt. Am Hauptstandort betreiben wir ausschließlich Trockenlogistik.
Was sind die Kernsegmente der BÄKO Oberpfalz eG?
Wir verfügen über drei elementare Säulen: Dazu gehören die Rohstoffversorgung für unsere Bäcker und Konditoren, der Kühl- und Tiefkühlbereich (EISKO) und unser Maschinenservice (Verkauf und Reparaturen). Unsere Stärken liegen in unserer überschaubaren Größe, in unserer grundsätzlichen Flexibilität – vor allem auch in der Belieferung, im individuellen Kundenservice und nicht zuletzt auch in der lokal-regionalen Direktheit sowie in der Kompetenz unseres Außendienstes. Unser Einzugsgebiet liegt im Radius von circa 120 Kilometern zu unseren Standorten in Weiden.
Wie beurteilen Sie die derzeitige Marktlage – gerade in Bezug zur Situation im Bäckerhandwerk und im Backwarenmarkt?
Die Bäckerbranche ist nach wie vor von einem Abschmelzungsprozess gekennzeichnet, mit dem jährlich Geschäftsschließungen verbunden sind, die bei 5 bis 8 Prozent in Relation zur Gesamtzahl liegen. Bei den Konditoren hingegen ist die Talsohle wohl durchschritten. Es gab im letzten Jahr in unserer Region sogar eine Neugründung mehr, als Geschäftsaufgaben zu verzeichnen waren. Die Absatzmenge ist bei uns aber stabil, da ein Wegfall eines Betriebes in der Regel durch andere Unternehmen aus unserer Gemeinschaft aufgefangen wird.
Wie war die geschäftliche Entwicklung Ihrer Genossenschaft im letzten Jahr und im bisherigen Verlauf 2025? Was erwarten sie perspektivisch?
Wir haben in den vergangenen Jahren immer stabile Umsätze und Ergebnisse erwirtschaftet. Dies sichert unseren Fortbestand und unseren wichtigen Versorgungsauftrag für unsere Mitglieder. Dieses Jahr startete eher verhalten und schwierig. Allerdings registrieren wir seit Frühsommer eine Aufhellung der Stimmung, was sich auch im Kaufverhalten unserer Kunden positiv widerspiegelt. Insofern blicken wir positiv auf den weiteren Geschäftsverlauf 2025 und in die Zukunft.
Wo sehen sie Wachstumspotenziale? Stehen bei Ihnen größere Investitionen an?
Weitere Potentiale sehen wir in der Gastronomie und im Frischebereich. Seit Anfang 2025 bieten wir einen Maschinen-Reparaturdienst an, der sehr gut angenommen wird. Aktuell investieren wir in einen neuen Verladebereich an unserem Hauptsitz. Ende dieses Jahres erweitern wir unsere Flotte mit einem neuen 26t Kühl- und Gefrier-LKW, um die großen Touren noch besser bedienen zu können.
Worin sehen Sie die wesentlichen Herausforderungen für Ihre Genossenschaft – aktuell und zukünftig?
Die Genossenschaft ist und bleibt aus meiner Sicht das beste Unternehmensmodell, um gemeinschaftliche, mittelständische Interessen zu bündeln und regional stark zu sein. Ganz nach dem Motto: Was einer nicht schafft, schaffen viele!“ Es ist aber auch jeder einzelne Genosse gefragt, die Genossenschaft zu nutzen und sich aktiv einzubringen. Die Gesamtstärke einer Genossenschaft kann nur dann wirken und ausgespielt werden, wenn jedes Mitglied auch seine Stärken und seine Tatkraft einbringt. Zusammenhalt ist – traditionell, aktuell wie auch zukünftig – unser entscheidendes Bindemittel, unsere Basis und unser Vorteil, um angesichts der zunehmenden Herausforderungen im Markt erfolgreich bestehen zu können.
Welche Rolle spielt diesbezüglich die Digitalisierung?
Die Digitalisierung ist ein Top-Thema: Eine Bestell-App haben wir bereits installiert. Und die KI, allen voran ChatGPT, erleichtert uns in vielen Bereichen die Büroarbeit. Von mehreren Kunden wurde ein personalisierter Webshop angefragt. Dies möchte ich gerne im Verbund besprechen und sehe dies als wichtiges Zukunftsprojekt an.
Welche Vorteile bietet Ihnen eine TIFA-Mitgliedschaft – rückblickend, aktuell und zukünftig?
Die TIFA-Mitgliedschaft war beim Start unserer EISKO vor fast fünf Jahrzehnten die absolut richtige Entscheidung und hat uns weit nach vorne gebracht. Sie sichert uns gute Preise im Einkaufsverbund, insbesondere bei Gastroartikeln. Von zentraler Bedeutung ist vor allem auch der kollegiale Austausch im TIFA-Kreis, der uns wichtige Erfahrungen, Hinweise und Lösungen liefert.
Was ist die Position der Eisko und welche Rolle spielt diesbezüglich die Zusammenarbeit mit der TIFA?
Unsere EISKO-Abteilung bedient mittlerweile neben der Gastronomie auch immer mehr Bäckereien, die sich neben ihrem klassischen Geschäft als Grundversorger bei Brot und Backwaren zum Außerhaus-Anbieter entwickelt und dementsprechend ihr gastronomischen Angebot etabliert bzw. erweitert haben. Gerade in Bezug auf diese Sortimente – etwa im Snack-, TK- und Convenience-Bereich – nutzen wir die ausgewiesene Kompetenz und die Sortimentsbreite der TIFA.
Was sind die Sortimentsschwerpunkte der Eisko – und sind in den letzten Jahren diesbezüglich Veränderungen bzw. Verschiebungen festzustellen? Convenience- und TK-Produkte liegen im Trend. Ist Ihrer Meinung nach die Spitze in diesem Segment erreicht, oder wird es noch weiterwachsen?
Wir erleben in unserem Vertriebsgebiet weniger Verschiebungen von Artikelgruppen, sondern eher eine kontinuierliche und gleichmäßige Steigerung in allen Bereichen der Gastronomie. Das ist auch unsere Prognose für die nächsten Jahre – mit kontinuierlichen Steigerungen in den Bereichen Teiglinge, Tiefkühl- und Convenience-Produkte.
Was sind die Topseller der Eisko?
Die Topseller sind bei uns gefrorene Backwaren, Tiefkühlobst und –gemüse, sowie sämtliche Convenience-Produkte wie etwa Hamburger, Pommes Frites, Schnitzel & Co.
Worin sehen Sie die Vorteile und Chancen einer Teilnahme an der TRIALOGE?
Meine Teilnahme an dieser Fachmesse wird die erste sein. Ich freue mich, alle Genossen der TIFA kennenzulernen und einen guten Austausch mit den Kollegen sowie mit den Lieferanten zu haben. Besonders gespannt bin ich auf alle Produktneuheiten, auf neue Konzepte und Kooperationschancen. Natürlich werde ich auch nach guten Angeboten und günstigen Einkaufschnäppchen Ausschau halten…